oder: „Mein Sohn ist nicht dumm“.

 

Ein besorgter Vater erkundigt sich bei der Klassenlehrerin seines Sohnes nach dessen Leistungsstand in der Schule. Die Lehrerin sagt, der Junge habe große Probleme mit dem Lesen, Schreiben und Rechnen; seine Ergebnisse lägen in allen Fächern weit unter dem Durchschnitt. Der entrüstete Vater: „Aber mein Sohn ist nicht dumm“. Darauf die Lehrerin: „Sie haben völlig recht, Ihr Sohn ist nicht dumm, er ist saudumm“.

Eine frei erfundene Geschichte, natürlich. Aber wenn Sie das Wörtchen saudumm durch ein weniger plumpes Adjektiv ersetzen, dann spielt sich diese Szene jedes Jahr tausendfach an deutschen Schulen ab.

Die meisten Eltern sind nicht bereit zu akzeptieren, dass ihr Kind unterdurchschnittlich intelligent ist. Faul, ja. Unkonzentriert, vielleicht. Pöbeln, lügen, stehlen – kann passieren. Aber Dummheit? Unmöglich. Nicht bei meinem Kind.

 

Die PISA-Studie 2019

... hat unter anderem ergeben:

Etwa 21 Prozent der Fünfzehnjährigen in Deutschland können nur einfache Sätze lesen.

Zum Vergleich: In den Niederlanden und in der Schweiz sind es laut FAZ vom 3.12.2019 circa 24 Prozent (!). Dass der Untergang Deutschlands unmittelbar bevorsteht, ist also eigentlich nicht zu befürchten.

Natürlich ist es besorgniserregend, dass

  • in Ländern wie Finnland oder Kanada deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden
  • die deutschen Ergebnisse sich im Vergleich zur letzten PISA-Studie verschlechtert haben
  • Kinder aus ärmeren Familien schlechtere Bildungschancen haben.

Aber bevor man zum Rundumschlag gegen „die“ unfähigen Lehrerinnen und Lehrer ausholt, sollte man einmal kurz innehalten. Könnte es vielleicht sein, dass es in jeder Generation und in jedem Land sehr kluge Kinder gibt und genauso viele Kinder, deren Intelligenz deutlich unter dem Durchschnitt liegt?

Nur, ein Großteil der Eltern hält es für eine persönliche Beleidigung, wenn es heißt: Ihr Kind hat beim Lesen, Schreiben und Rechnen größere Probleme hat als die meisten Gleichaltrigen. Dieses Nicht-Akzeptieren kann dazu führen, dass das betreffende Kind von seinen Eltern in ein Gymnasium „zwangseingewiesen“ wird; die Folgen sind permanente Überforderung, Stress und das Gefühl: Nur wenn ich bessere Schulnoten bekomme, wird man mich schätzen und lieben. Im Extremfall kommt es zu Depression und Suizid.

Kehren wir noch einmal zurück zum Punkt „ärmere Familien“. Tatsache ist:

  • Das Privatvermögen ist nicht gleichverteilt in unserer Gesellschaft.
  • Die Vermögensverteilung ist nicht statisch, sie ändert sich im Laufe der Jahrzehnte.

Ganz ähnlich ist es mit dem Intelligenzquotienten (IQ)!

  1. Die Intelligenz ist nicht gleichverteilt in der Bevölkerung.
  2. Die durchschnittliche Intelligenz ändert sich im Laufe der Jahrzehnte.
    Kurz gesagt: Seit etwa 20 Jahren wird die Menschheit immer dümmer. Kein Scherz!

 

Zu Punkt 1 (Intelligenz-Verteilung)

Die Methoden, mit denen man den IQ eines Menschen misst, werden zurecht bisweilen kritisiert. Dennoch können wir davon ausgehen, dass es eine Normalverteilung der Intelligenz gibt, das heißt: Wenn man auf einer horizontalen Achse die IQ-Werte und auf der vertikalen Achse die zugehörige Häufigkeit abträgt, dann ergibt sich eine sogenannte Gaußsche Glockenkurve. Der Mittelwert ist dabei auf den Wert 100 normiert.

Die Glockenkurve ist symmetrisch; das bedeutet, vereinfacht ausgedrückt:

Auf jeden hochintelligenten Menschen kommt ein „niedrigintelligenter“.

Ein Beispiel: An einer Schule mit 1000 Schüler*innen kann man folgende IQ-Verteilung erwarten:

  • 700 Schüler*innen sind „normal“ intelligent (IQ 85 bis 115)
  • 150 sind besonders intelligent (IQ >115),
    davon 18 hochintelligent (IQ > 130) und 2 extrem intelligent (IQ > 145)
  • demgegenüber sind 150 Schüler*innen besonders „unintelligent“,
    davon 18 „niedrigintelligent“ und 2 extrem „unintelligent“.

Übrigens, was bei all dem meist vergessen wird: Die weniger Intelligenten sind oft viel freundlicher, ehrlicher und friedfertiger als ein Großteil der Hochintelligenten. Charakter ist keine Frage der Intelligenz. 

  

Zu Punkt 2 (Intelligenz-Veränderung)

Zuerst die gute Nachricht: Intelligenz kann man trainieren, sogar bis ins hohe Alter - das ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt.

Die schlechte Nachricht: Schon im vergangenen Jahr wurde in einem FOCUS-Artikel von Studien berichtet, die ergeben haben:

  • Die durchschnittliche Intelligenz der Menschen hat bis Mitte der 1990er zugenommen.
  • Seitdem wird die Menschheit immer dümmer;
    auf der anderen Seite nehmen Verhaltensstörungen und Autismus zu.

Die Ursachen sind noch umstritten. Unbestreitbar aber ist:

Ob Intelligenz oder Geld: Darüber spricht man nicht, man hat’s. (Oder auch nicht.)